Kreislaufgerechte Projektentwicklung, nachhaltig ab dem ersten Stein
Wichtiger Schritt zur Kreislaufwirtschaft: Die Dokumentation von Baumaterialien und Rohstoffen noch bevor sie verbaut werden. Foto: pexels
Panorama

Kreislaufgerechte Projektentwicklung, nachhaltig ab dem ersten Stein

Die BUWOG setzt Neubau im Einklang von ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit um. Dabei gilt es, die Nachhaltigkeit von Baustoffen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu betrachten – von der ersten Planung bis hin zum vollständigen Recycling der Materialien. Damit das gelingt, ist die BUWOG an ein neues Material-Kataster angeschlossen.

 

Nachhaltigkeit im Neubau, das bedeutet auch, bereits bei der Errichtung von neuen Wohngebäuden zu berücksichtigen, was kommende Generationen mit den Häusern vielleicht vorhaben. Wie kann in 50 oder 100 Jahren mit Rohstoffen umgegangen werden? Dann, wenn ein Haus vielleicht von der Enkel-Generation umgebaut, modernisiert, erweitert oder abgerissen werden soll? Dass dieser Moment der Wahrheit früher sein kann, als gedacht, zeigt die Problematik des einst beliebten Baustoffs Asbest. Wurde er noch bis in die 1990er Jahre bedenkenlos verbaut, so muss er heute, rund 30 Jahre später, mühsam geortet und entsorgt werden. Doch auch gesundheitlich unbedenkliche Dämmsysteme haben heutzutage keine unbegrenzte Lebensdauer vor sich und könnten nach 30 oder 40 Jahren erneuert, ergänzt oder auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden müssen. Auch bei Modernisierungen ist es dann wichtig zu wissen, was früher verbaut wurde – und wo.

 

Die Basis für Recycling: Eine digitale Rohstoff-Dokumentation

 

Baustelle in Spandau. Hier entsteht das Quartier BUWOG SPEICHERBALLETT. Foto: BUWOG
Baustelle der BUWOG in Spandau. Foto: BUWOG

Um Materialien in Gebäuden registrieren, dokumentieren und archivieren zu können, wurde im März 2021 die Plattform Madaster gegründet. Madaster ist das zentrale, globale Kataster für Materialien, Gebäude und Infrastrukturen. Es erleichtert die Wiederverwendung von Materialien, fördert intelligentes Design und vermeidet Abfall. Eine Idee, die ursprünglich aus den Niederlanden kommt, wo bereits rund 2.000 Gebäude bei Madaster registriert sind. In Deutschland wird der Start von Madaster unterstützt durch verschiedene Unternehmen aus der Immobilienbranche – so ist die BUWOG als einer der größten privaten Wohnimmobilien-Entwickler mit dabei.

 

BUWOG-Geschäftsführerin Eva Weiß: „Wir sind überzeugt, dass unser Geschäftsmodell nur zukunftsfähig ist, wenn es nachhaltig und ressourcenschonend betrieben wird. Für uns bietet Madaster die Möglichkeit, eingesetzte Materialien zu registrieren, um diese später in eigenen Projekten oder extern wiederzuverwenden.“

Konkret: Schon mit der Planung werden die zu verbauenden Materialen mit ihren technischen Spezifikationen und ihren Zusammensetzungen aus verschiedenen Rohstoffen registriert und digital dokumentiert – von der Art des Betons über verbaute Dämmstoffe bis hin zu Kabeln oder Elektroleitungen, die später unter Putz und nicht mehr sichtbar sind. Mit der Registrierung sind die Weichen für die Zukunft gestellt. Denn sollten beispielsweise Elektrokabel nach 20 oder 30 Jahren ausgetauscht werden, so ist im Materialkataster exakt verzeichnet, was zuvor verbaut wurde. Das Trennen, Sammeln und Recycling der Produkte wird so viel leichter und mit der Online-Materialbibliothek finden Rohstoffe eine neue Verwendung. „Madaster ist damit ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer kreislauffähigen Wirtschaft“, erklärt Eva Weiß.

 

Neues Leben für alte Häuser

 

Thomas Rau, Mitgründer von Madaster
Madaster-Mitgründer Thomas Rau

Zugegeben: Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Doch das Bewusstsein ist da, ebenso wie der Wille der Immobilienbranche, beim Thema Kreislaufwirtschaft besser zu werden.

Noch erzeugt der Bausektor in Deutschland jährlich rund 230 Millionen Tonnen an Bau- und Abbruchabfällen. Das entspricht rund 55 Prozent des gesamten Brutto-Abfallaufkommens. „Angesichts der großen Herausforderungen, die in Bezug auf Klima, Energie und Rohstoffe vor uns liegen, ist ein Wandel notwendig. Die Digitalisierung ist ein wichtiger Motor für den Übergang im Bau- und Immobiliensektor“, erklärt Thomas Rau, Mitgründer von Madaster.

Damit Gesellschaft und Umwelt schnell davon profitieren können, müssten nun möglichst viele Akteure der Immobilienbranche mitziehen.

Bis dahin bleibt der Umgang mit Abbruchabfällen zwar machbar, aber ungleich aufwendiger. Auch auf den Baustellen der BUWOG, wo man schon heute sehr um Recycling bemüht ist. So wurde beispielsweise beim Abbruch eines maroden Speichergebäudes aus den 1930er-Jahren in Berlin-Spandau mit einem Spezialgreifer das alte Bestandsgebäude Meter für Meter zerlegt und sorgsam abgetragen. Weil nicht klar war, was vor mittlerweile 90 Jahren alles verbaut wurde, und das auch nirgends verzeichnet wurde, mussten die Materialien von Fachunternehmen eingehend untersucht und beprobt werden. Danach wurden sie getrennt voneinander gelagert und anschließend separat abgefahren. So konnten Ziegel, Beton, Metalle & Co. anschließend einem möglichst guten Recycling zugeführt werden.

Beim Abbruch eines alten Speichers wurden die Rohstoffe sortiert. Foto: BUWOG
Beim Abbruch eines alten Speichers werden die Rohstoffe sortiert.

 

Optimal wäre natürlich, wenn man Immobilien gar nicht abreißen muss, sondern geschickt sanieren und für die kommende Nutzung umgestalten kann, findet BUWOG-Geschäftsführerin Eva Weiß: „Wir versuchen, dort, wo es möglich ist, Bestandsgebäude zu sanieren, als Wohnraum zu ertüchtigen und sie in unsere Quartiersentwicklungen zu integrieren.“

Auf der Baustelle in Spandau gelang genau das bei zwei von drei Speichergebäuden am Havelufer. Diese werden aktuell saniert und so umgestaltet, dass darin 82 Eigentumswohnungen entstehen. Auf einem weiteren Baufeld entlang der Parkstraße entstehen 262 Mietwohnungen. Interessant: Hier werden drei Gebäude mit einer vorgehängten und hinterlüfteten Fassade (VHF) aus Aluminiumtrapezblech errichtet. Diese Fassade ist komplett demontierbar, wiederverwendbar beziehungsweise sortenrein zu recyceln. Das Aluminium selbst besteht zu einem hohen Prozentsatz aus Recyclingmaterial.

 

Rohstoffe – die Preise steigen

Das Verzeichnen der Rohstoffe hat nicht nur ökologischen, sondern auch ökonomischen Nutzen. Denn die Preise für Baustoffe steigen, egal ob Sand, Beton, Metalle oder Holz. „Unser Planet ist ein geschlossenes System, der Rohstoffvorrat ist somit endlich“, verdeutlicht Thomas Rau, Mitgründer von Madaster. „Deshalb müssen wir diese endlichen Materialien unendlich verfügbar halten. Das können wir erreichen, indem wir Materialien eine dokumentierte Identität geben. Denn Abfall ist Material ohne Identität. So ermöglichen wir die unendliche Wiederverwendung der Materialien. Damit werden Gebäude Materialdepots – und wir schreiben Materialien auf und nicht mehr ab.“

In den kommenden Monaten werden Madaster und die Partnerunternehmen wie die BUWOG das Netzwerk in Deutschland weiter ausbauen. Damit ist der Grundstein gelegt für den zirkulären Einsatz von Produkten und Materialien in der Bauwirtschaft.

 


„Madaster ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer kreislauffähigen Wirtschaft. Mit der Online-Materialbibliothek finden Rohstoffe eine neue Verwendung.“

Eva Weiß BUWOG Bauträger Gmbh

 


 

Im Überblick

Das Partnernetzwerk von Madaster

Madaster versteht sich als Teil eines ganzen Ökosystems, das aus Wissenschaft, Produktherstellern, Recyclingindustrie und anderen digitalen Plattformen besteht. Mit dabei sind u.a. Commerz Real, Drees & Sommer, Interboden, Edge Deutschland, und Vonovia. Und: Auch wer eine Immobilie besitzt, kann mitmachen. Bei Madaster kann man einen webbasierten „Material Passport“ für das eigene Gebäude anfertigen lassen. Dr. Patrick Bergmann, Geschäftsführer Madaster Germany: „Der Material Passport enthält Informationen über die Qualität, Herkunft und Lage von Materialien und gibt Einblick in den materiellen, zirkulären und finanziellen Rohstoff-Restwert eines Gebäudes.“ Damit lassen sich Gebäude und Infrastrukturen als echte Rohstoffdepots organisieren – und vor allem die zusätzlichen Rohstoff-Restwerte der Immobilien und Infrastrukturen managen und für die Bilanzierungen nach HGB oder den Immobilienwertermittlungen nutzen.

Mehr auf www.madaster.de

 

 


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Michael Divé

Über den Autor

Michael Divé

Michael Divé ist Teamleiter Kommunikation und Pressesprecher der BUWOG in Deutschland.

Er leitet die Unternehmenskommunikation und die digitalen Kanäle der BUWOG in Deutschland und moderiert den Podcast GLÜCKLICH WOHNEN. Nach seinem Studium der Medienwirtschaft an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und Toulouse (Frankreich) war er als Journalist und Medienmanager für verschiedene Medien und Unternehmen tätig.