Drei Häuser und ein Hof für alle
Architektin Anne Lampen. Foto: anne-lampen.de
Wohnen

Drei Häuser und ein Hof für alle

Ein Interview mit Architektin Anne Lampen

 

Wohnungen von 1 bis 3 Zimmern, barrierefrei, von der Single-Wohnung bis zum Zuhause für junge Familien: Architektin Anne Lampen entwarf für die BUWOG ein generationenübergreifendes Ensemble. Bei BUWOG Regattahof steht das Miteinander der Lebensentwürfe im Vordergrund. Wir trafen die Architektin zum Gespräch.

 


 

Frau Lampen, wie kamen Sie zum Projekt BUWOG Regattahof?

Anne Lampen: Zum Projekt BUWOG Regattahof kam ich durch eine Anfrage der BUWOG. Die fragten mich, ob ich Lust hätte, an einem kleinen Wettbewerb mit zwei anderen Büros teilzunehmen. Ich fand die Aufgabe und den Standort sehr spannend und sagte deshalb gerne zu.

 

BUWOG Regattahof - ein Ensemble für alle Generationen. Visualisierung: BUWOG
BUWOG Regattahof – ein Ensemble für alle Generationen. Visualisierung: BUWOG

Das Ensemble liegt entlang der Regattastraße. Was bedeutet das für Sie als Architektin etwa bei der Schaffung von ruhigen Wohnungen?

Ja, die Regattastraße ist eine durch Autos und Straßenbahn relativ stark befahrene Straße. Aus diesem Grund sieht der B-Plan hier strenge Auflagen zum Schallschutz vor. Das heißt zum Beispiel, dass kleine Wohnungen komplett an der straßenabgewandten Seite liegen müssen. Bei Wohnungen ab zwei Zimmern muss mindestens ein Raum der Wohnung an der lärmabgewandten Seite liegen, so sehen es die Auflagen vor. Der Wunsch der BUWOG nach möglichst vielen kompakten Wohnungen und die Lärmschutzauflagen waren der Grund für meine Entwurfsidee, die Treppenhäuser und Erschließung als schmalen Lärmpuffer entlang der lauten Regattastraße zu legen. Mit diesem Trick konnten wir viele kleine Apartments zum ruhigen Hof auszubilden. Dieser Hof war von Anfang an als Oase und grüner Garten für alle Bewohnerinnen und Bewohner geplant. Um den Hof trotz der gewünschten maximalen Ausnutzung des Grundstücks licht und attraktiv zu gestalten, sind die zwei Gartenhäuser niedriger. Außerdem haben wir die beiden Gartenhäuser im leichten Winkel zum Vorderhaus angeordnet. Durch diese Positionierung und durch die Öffnung zwischen den Gartenhäusern, ergeben sich großzügige Blickachsen und Perspektiven. Alle Wohnungen sollten auch große Balkone mit Blick in den grünen Hof erhalten. Alle Erdgeschosswohnungen haben großzügige Terrassen, die in den grünen Gartenhof übergehen.

 

Holzelemente gestalten die Außenfassade von BUWOG Regattahof. Visualisierung: BUWOG
Holzelemente gestalten die Außenfassade von BUWOG Regattahof. Visualisierung: BUWOG

Sie spielen einerseits mit Blickachsen, andererseits mit verschiedenen Materialien.

Ja genau. Eine weitere Entwurfsidee war eine durch natürliche, haptische Materialien gegliederte Fassade, die auch die Zielgruppe junger Leute ansprechen sollte. Die Treppenhäuser mit ihren geraden Sichtbetontreppen werden durch eine großflächige Industrieverglasung und Holzverkleidung akzentuiert. Bei Dämmerung und abends leuchten sie wie Laternen und lassen die Treppenläufe durchschimmern. Das vorgegraute, massive Lärchenholz setzt dazu warme, haptische Akzente.

 

Gab es viele Veränderungen von der ersten Skizze bis zu dem, was nun gebaut wird?

Das Grundkonzept des Wettbewerbsentwurfs ist immer noch gut durchgehalten. Es gab natürlich kleine Veränderungen im Zuge der Optimierung. So konnten wir im Vorderhaus ein Treppenhaus einsparen, die ursprünglich geplanten Übereckaufzüge werden durch kostengünstigere Durchlader ersetzt.

 

BUWOG Regattahof bietet Wohnungen mit 1, 2 und 3 Zimmern – vor welche besonderen Herausforderungen stellt Sie dieser Mix?

Der Wohnungsmix aus Mikro-Apartments und auch größeren Wohnungen ist anspruchsvoll. Er bietet aber die Möglichkeit, den Baukörper optimal auszunutzen und eine hohe Qualität zu schaffen. Durch den Wechsel von einseitig zum Hof orientierten Singlewohnungen und durchgesteckten 2- oder 3 Zimmer-Wohnungen konnten wir eine gute Wohnungsmischung unter Einhaltung der Auflagen des B-Plans erzielen.

 

 

Mit Innenhof und terrassiertem Außenbereich interpretieren Sie die Hof-Idee neu. Warum ist für Sie ein solcher Hof so wichtig?

Der Hof ist ein Ort der Kommunikation. Gerade bei vielen kleinen Wohnungen ist die Möglichkeit zur gemeinschaftlichen Nutzung, zum lockeren Kontakt, wenn man es möchte, wichtig. Hier können sich alle treffen, Studentinnen und Studenten, Familien, Kinder, Seniorinnen und Senioren, Alleinlebende, Paare, alle. Hier kann gemeinsam gegrillt, gegärtnert, entspannt, gespielt, geplaudert werden. Da viele Tiefgaragenplätze gefordert waren, hatten wir die Idee, nur einen kleinen Teil des Hofes zu unterkellern, und so einen terrassierten Hofgarten zu schaffen, der eine interessante räumliche Zonierung für die verschiedenen Aktivitäten bildet. Es gibt Hochbeete für Urban Gardening, Rampen zum Skaten, ruhige Orte und Plätze zum Spielen. Gerade in der heutigen Zeit, in der so viele Menschen allein leben, ist eine lockere Möglichkeit zu sozialen Kontakten wichtig. Das ist die Idee dieses Hofes.

 

Das Motto der BUWOG lautet: Glücklich wohnen. Was bedeutet „glücklich wohnen“ für Sie?

Richtfest: Architektin Anne Lampen mit BUWOG-Geschäftsführerin Eva Weiß. Foto: Divé
Richtfest: Anne Lampen mit BUWOG-Geschäftsführerin Eva Weiß

Glücklich wohnen, das bedeutet für mich, dass ich mich frei und geborgen fühle in meiner Wohnung, mich freue, morgens in meiner wohlproportionierten, schönen Wohnung aufzuwachen, dass ich mich freue, wenn ich abends nach Hause komme, mein Zuhause sehe, in ein einladendes lichtes und freundliches Treppenhaus eintrete, in meine Wohnung komme und mich wohlfühle, weil meine Wohnung zu mir passt, alles seinen Platz findet, ich auf den Balkon gehe, in den Garten gucken kann, noch runtergehen um Leute zu treffen, wenn ich Lust habe, oder auf dem Balkon bleibe, wenn ich heute schon genug geredet habe und einfach mit etwas Abstand andere Menschen sehen möchte, wenn ich in den Garten blicke. Wenn ich ein Haus entwerfe stelle ich mir vor, wie ich dort leben möchte. Und das bestimmt meinen Entwurf und die Architektur.

 

 

„Glücklich wohnen, das bedeutet für mich:

Dass ich mich frei und geborgen fühle in meiner Wohnung“

Architektin Anne Lampen

 

 

Das Büro Anne Lampen Architekten

Das Büro Anne Lampen Architekten wurde 1994 gegründet und befindet sich in Berlin-Kreuzberg. Leitmotiv: „Das Spiel mit Innen- und Außenraum, Sichtachsen und Funktionsabläufen entsteht aus der ebenso abstrakten wie greifbaren Idee, ideale Räume zu schaffen.“ Seit Gründung verfolgt das Büro Anne Lampen Architekten dabei ökologische Aspekte ebenso wie die  Small-Budget-Realisierung auf hohem Niveau. Das Resultat ist eine klare, sensitive Interpretation der Moderne. 2010 wurde Anne Lampen in den Bund Deutscher Architekten berufen. Seit 2015 ist sie zudem im Vorstand des BDA, der Vereinigung freiberuflich tätiger Architektinnen und Architekten.

Auszeichnungen (Auszug): Würdigung beim Deutschen Holzbaupreis 2015, Otto-Borst-Preis für Stadterneuerung 2012, Häuser-Award 2008

 


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Michael Divé

Über den Autor

Michael Divé

Zuständigkeit bei der BUWOG: Senior Manager Marketing & Communications und Pressesprecher Deutschland.

Michael Divé (41) leitet die Unternehmenskommunikation und digitalen Kanäle in Deutschland. Nach seinem Studium der Medienwirtschaft an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und Toulouse (Frankreich) war er als Journalist und Medienmanager für verschiedene Medienunternehmen tätig. Seit 2010 verantwortete er in verschiedenen Unternehmen aus Handel- und Dienstleistungsbereich die Bereiche Digitale Kommunikation und Marketing. Heute gestaltete er bei der BUWOG mit seinem Team im Bereich Marketing & Kommunikation die Verbindung zu Medien und Öffentlichkeit und sorgt für die richtigen Botschaften über alle Kanäle.

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