Bauen im menschlichen Maßstab
Mutiges querkraft-Gebäude: Der weltweit erste autofreie IKEA mischt Nutzungen, leistet einen wichtigen Beitrag zum Stadtgrün - und hat sogar einen eigenen Fanclub. Quelle: querkraft - christina häusler
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Bauen im menschlichen Maßstab

Was macht Architektur menschlich? Und wie können Gebäude nicht nur funktionieren, sondern Menschen Raum geben, Begegnung ermöglichen und Lebensqualität schaffen? In dieser Folge von „GLÜCKLICH WOHNEN – der BUWOG Podcast“ spricht der Architekt, Gründer und Netzwerker Jakob Dunkl von querkraft Architektur über menschlichen Maßstab, mutige Stadtentwicklung und den von ihm geprägten „poetischen Pragmatismus“.

 

Dunkl beschreibt Architektur nicht als reine Formfrage. Entscheidend ist für ihn, „ob ein Gebäude den Menschen dient“. Schon bei der Gründung von querkraft im Jahr 1998 stand deshalb ein einfacher Leitsatz im Mittelpunkt: „Mensch, vor Architektur, vor Geld.“

 

Architekt, Gründer, Visionär, Mutmacher: Jakob Dunkl. Foto: Querkraft
Architekt, Gründer, Visionär, Mutmacher: Jakob Dunkl. Foto: querkraft

Dieser Dreiklang prägt bis heute den Blick des renommierten Büros auf Wohnbau, die Stadt als System und den öffentlichen Raum. Dabei bedeutet menschlicher Maßstab nicht automatisch kleine Gebäude oder niedrig in der Bauweise. Der meschliche Maßstab kann auch in urbaner Dichte, in Hochhäusern oder großen öffentlichen Gebäuden entstehen. „Entscheidend ist, ob Architektur aus der Perspektive der Menschen gedacht wird, die sie nutzen, bewohnen oder täglich erleben.“ 

Menschlicher Maßstab heißt Menschen Raum geben

Für Jakob Dunkl beginnt menschlicher Maßstab mit einer einfachen Frage: „Ist es jetzt nur cool oder hübsch, was uns gerade eingefallen ist, oder dient es den Menschen?“

Architektur soll nicht allein ein Bild erzeugen, sondern Alltag ermöglichen, Spielräume schaffen und Aneignung zulassen. Im Wohnbau zeigt sich das an Details wie Balkonen, Pflanztrögen oder einfachen Befestigungen für Grün. Architektur zum Mitmachen?

„Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen das Haus nicht nur nutzen, sondern mitgestalten können“, beschreibt Dunkl sein Anliegen. Architektur wird dadurch nicht als fertiges Objekt verstanden, sondern als Rahmen, der Aneignung zulässt.

 

Auch in großen Strukturen bleibt dieser Gedanke zentral. In einem sozialen Wohnhochhaus in Wien wurden Gemeinschaftsräume über das Gebäude verteilt, damit Begegnungen über Etagen und soziale Gruppen hinweg entstehen. Menschlicher Maßstab, das bedeutet für Jakob Dunkl deshalb nicht weniger Dichte. Im Gegenteil: „Dichte ist nicht immer schlecht.“ Entscheidend sei, ob Dichte gut gestaltet ist und Menschen darin Raum finden.

Gute Nachbarschaft und emotionale Nachhaltigkeit

Ein prägendes Beispiel des renommierten Büros ist der innerstädtische IKEA in Wien, der von querkraft geplant wurde. Der weltweit erste autofreie IKEA, zudem. Jakob Dunkl erinnert sich: „Im Briefing stand der Satz: We want to be a good neighbor. Daraus entstand die Frage, was ein Gebäude seiner Umgebung geben kann.“ Die Antwort war nicht zuerst eine Fassadenfarbe oder ein Material, sondern Grün – also Stadtgrün. Auf Dach und Fassaden wurden rund 170 Bäume untergebracht.

 

Für Dunkl zeigt das Projekt, dass Architektur über ihre Nutzung hinaus positiv wirken kann. Ein Gebäude könne „Stadtraum verbessern, Nachbarschaft entlasten und Identifikation auslösen.“ Dass kurz vor der Eröffnung ein Fanclub für das Gebäude entstand, habe ihn besonders berührt: „Dass man wirklich Menschen glücklich machen kann mit einem Haus, das habe ich fast nicht zu hoffen gewagt.“

 

Im Gespräch im BUWOG-Podcast geht es damit auch um emotionale Nachhaltigkeit. Gebäude bleiben vor allem dann bestehen, wenn Menschen sie schätzen, sie pflegen und wenn sie Teil ihrer Umgebung werden, so Dunkls Erfahrung. Städte wie Kopenhagen, Paris oder der umgestaltete Times Square zeigen für ihn, dass mutige Eingriffe Stadträume zum Positiven verändern können.

Poetischer Pragmatismus in der Architektur

Der Begriff „poetischer Pragmatismus“ beschreibt anschaulich, wie Dunkl über Architektur spricht: einfache, machbare Lösungen, die zugleich Lebensqualität erzeugen. Ein Beispiel ist das von ihm mitgegründete Unternehmen MANYTREES, eine Art Startup, das Bäume auf versiegelte Flächen bringt, etwa auf Parkplätze, Vorplätze oder in Fußgängerzonen. Minimalinvasiv, schnell und einfach werden bei dem System kreisrund ausgesägte Pflanzscheiben mit Bäumen bestückt. Gerade in Zeiten des Klimawandels erfüllen die vielerlei Funktion erfüllen.

 

Innovativ: Das mikroinvasive System von MANYTREES ermöglicht einfach und schnell Bäume auf versiegelten Flächen zu pflanzen. Infos: www.manytrees.at
Innovativ: Das mikroinvasive System von MANYTREES ermöglicht einfach und schnell Bäume auf versiegelten Flächen zu pflanzen. Infos: www.manytrees.at

Das Prinzip von MANYTREES ist pragmatisch, zielt aber auf mehr als Technik. Es geht um Schatten, Kühlung, Aufenthaltsqualität, Klimaresilienz und darum, selbst aktiv zu werden. Dunkl unterscheidet zwischen ökologischem Fußabdruck und ökologischem Handabdruck: „Ich will irgendwo mitarbeiten, dass die Welt besser wird.“ Mut ist für Dunkl eine Grundbedingung guter Architektur. Das bedeutet, Regeln zu hinterfragen und neue Wege zuzulassen. Sein Fazit ist entsprechend klar: „Man muss alles hinterfragen, mutig sein, kämpfen, nie aufgeben.“

 

Bauen im menschlichen Maßstab, das bedeutet damit mehr als gute Proportionen oder hübsch anzuschauende Gebäude. Es bedeutet: Menschen ernst nehmen, Dichte lebenswert gestalten, Grün in die Stadt bringen und Architektur so denken, dass sie Freude macht.

Oder, wie Dunkl es zusammenfasst: „Menschlicher Maßstab, das heißt Menschen Raum geben.“ Genau dort beginnt die Aufgabe, über die Jakob Dunkl in dieser Folge spricht: pragmatisch zu planen und trotzdem Poesie zuzulassen.

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Michael Divé

Über den Autor

Michael Divé

Michael Divé ist Teamleiter Kommunikation und Pressesprecher der BUWOG in Deutschland mit der BUWOG Bauträger GmbH und der BUWOG Immobilien Treuhand GmbH.

Er leitet die Unternehmenskommunikation und die digitalen Kanäle der BUWOG in Deutschland und moderiert den Podcast GLÜCKLICH WOHNEN. Nach seinem Studium der Medienwirtschaft an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und Toulouse (Frankreich) war er als Journalist und Medienmanager für verschiedene Medien und Unternehmen tätig.