Licht prägt unsere Städte. Es schafft Orientierung, erzeugt Atmosphäre und setzt Architektur und Wohnumfelder in Szene. Gleichzeitig wird Licht in vielen Orten zum Problem, wenn es zu hell ist, falsch gelenkt wird oder schlicht niemand es braucht. In dieser Folge von „GLÜCKLICH WOHNEN – der BUWOG Podcast“ spricht die Lichtforscherin Annette Kropp-Benesch über Lichtverschmutzung und was man dagegen tun kann.
Nachts ist in vielen Städten viel Licht an, ohne dass es jemand wirklich braucht. „Das ist effektiv Energieverschwendung, Lichtverschwendung und auch wirklich Umweltverschmutzung“, erklärt die Expertin Annette Krop-Benesch. Gemeint ist nicht nur die Straßenbeleuchtung, die für Verkehr und Orientierung an vielen Stellen notwendig ist, sondern vor allem Licht, das in den Himmel abstrahlt oder aus dekorativen und werblichen Gründen leuchtet. Auch, wenn kaum jemand unterwegs ist. Krop-Benesch spricht in diesem Zusammenhang von „unsichtbarem Licht“, etwa bei beleuchteter Werbung zu Zeiten, in denen sie praktisch niemand wahrnimmt. Und das Problem wächst: In Studien ist von rund zehn Prozent mehr Helligkeit pro Jahr die Rede, so die Lichtforscherin. „Das bedeutet, dass unsere Welt etwa alle acht Jahre doppelt so hell ist wie vorher“.
Wie Lichtverschmutzung wirkt
Annette Krop-Benesch kommt aus dem Forschungsgebiet der Chronobiologie und beschäftigt sich mit Licht als Taktgeber biologischer Rhythmen. „Licht steuert, wann Organismen aktiv sind und wann sie ruhen, beim Menschen ebenso wie bei Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Licht ist ein wichtiger Zeitgeber.“

Und genau deshalb sind die Auswirkungen der städtischen Lichtverschmutzung so massiv. Besonders anschaulich wird das bei Insekten. „Sie werden von Licht angezogen, sterben an Lampen oder verenden durch Erschöpfung. Gleichzeitig fehlen sie dann dort, wo sie gebraucht werden, etwa als Bestäuber.“ Etwa 80 Prozent unserer Nahrungspflanzen benötigen Bestäubung, damit sie gut Früchte produzieren können. Fehlen Insekten, geraten Nahrungsketten unter Druck, in Städten ebenso wie außerhalb. Auch Bäume reagieren auf nächtliches Licht, denn sie betreiben zu lange Photosynthese, werden dadruch geschwächt und anfälliger für Krankheiten.
Was tun gegen Lichtverschmutzung
Bei der Planung von Quartieren und Gebäuden kann man vieles richtig machen, so die Expertin. Ein Teil der Lichtverschmutzung entsteht durch Leuchten, die ihr Licht nach oben oder in alle Richtungen abgeben. Hinzu kommt Licht, das aus dekorativen Gründen brennt, obwohl kaum jemand es wahrnimmt. „Der wichtigste erste Schritt ist eine einfache Frage: Wo brauchen wir Licht wirklich? Es geht nicht darum, Städte pauschal dunkel zu machen, sondern um gezielte Beleuchtung.“ Sie nennt mehrere Hebel, die Kommunen und Planende unmittelbar nutzen können: weniger hell beleuchten, Licht abschirmen, Licht gezielt nach unten lenken und die passende Lichtfarbe wählen. Bewegungsmelder sind besonders dort sinnvoll, wo Menschen nur gelegentlich unterwegs sind, etwa auf Radwegen oder in Parks. Moderne Systeme dimmen langsam hoch und wieder herunter. Licht ist dann da, wenn es gebraucht wird – und nur dann.
LED, Sicherheit und gute Quartiersplanung
LED gelten zwar als energieeffizient, können aber einen Rebound-Effekt auslösen, berichtet die Expertin. „Wenn Licht günstiger wird, wird es oft stärker genutzt.“ Aus der Idee, Energie zu sparen wird schnell ein Helligkeitswettlauf. „Je energieeffizienter das Licht wird, desto mehr Licht wird gemacht. Unterm Strich sinkt der Energieverbrauch dann weniger als gedacht, während Lichtverschmutzung zunimmt.“ Dabei bedeutet mehr Licht nicht auch automatisch mehr Sicherheit. Zu helles Licht können blenden und die Sicht verschlechtern, gerade wenn viele Lichtquellen zusammenkommen. „Für das Sicherheitsgefühl wichtiger: Eine weite Sicht, um früh das Umfeld erkennen zu können.“ Für Quartiere und den Umbau von Bestandssiedlungen rät sie, ganzheitlich zu planen. Denn: Straßenbeleuchtung, Innenbeleuchtung, Treppenhäuser, dekoratives Licht und private Lichtquellen wirken zusammen – und bieten die Chance die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit zu verbessern.
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