Bodenwende: Ressource Boden besser nutzen
Stadtplanerin Judith Nurmann im BUWOG Podcast. Foto Torsten Hahn
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Bodenwende: Ressource Boden besser nutzen

Grün statt Asphalt, urbane Dichte statt zersiedelte Vorstädte: Eine neue Generation von Planenden und Bauenden fordert ein Umdenken im Umgang mit der Ressource Boden. Wir sprechen über die Bodenwende mit Stadtplanerin Judith Nurmann, bodenpolitische Sprecherin von Architects 4 Future. Wie kann die Ressource Boden nachhaltiger genutzt werden?

 

Architects 4 Future ist Mitglied im Bündnis Bodenwende, einem breiten überparteilichen Zusammenschluss von Akademien, Kammern und Verbänden aus Architektur und Raumplanung, Umwelt- und Naturschutz. Das Bündnis setzt sich für eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Bodenpolitik ein und wirbt für ein anderes Bauen. Denn Planen und Bauen sind wichtige Hebel um mehr Nachhaltigkeit zu erzielen. Rund 50 Prozent der CO2-Emissionen eines Hauses entstehen in der Errichtungsphase, also lange vor dem Einzug. Auch der Umgang mit dem Grund und Boden selbst ist eine Frage der Nachhaltigkeit, erläutert die Expertin im BUWOG-Podcast. Denn die Ausweisung neuer Baugebiete vor den Toren der Städte zersiedelt die Landschaft immer mehr und schafft neue Versiegelung.

 

Gleichzeitig ist der Wohnungsbedarf in Ballungsgebieten immens, das weiß auch Stadtplanerin Judith Nurmann. Ihr Appell ist, zukünftig die Nachverdichtungspotenziale besser zu nutzen um Wohnraum dort zu schaffen, wo bestehende Infrastruktur es ermöglicht. „Nicht das Zubauen von Grünflächen darf die Lösung sein, sondern es müssen vielmehr die Aufstockungs- und Umbaupotenziale genutzt werden.“

Für dieses Ziel könne die Politik die stärkere Berücksichtigung von Umbau und Aufstockung im Baugesetzbuch fördern und Hemmnisse bei Nachverdichtungsprojekten abbauen.

Entsiegelung: Eine Frage der Klimafolgenanpassung

Aus klimatischer Sicht ist darüber hinaus dringend Entsiegelung notwendig, betont Judith Nurmann. „Die öffentliche Hand hat über die eigenen Flächen eine andere Steuerungshoheit als über Grundstücke, die in privatem Besitz sind.“ Daraus ergäbe sich aber auch Verantwortung: So sollten Städte und Gemeinden mit gutem Beispiel vorangehen und im großen Stil ihre Immobilienbestände nachhaltig gestalten, zum Beispiel entsiegeln und Dächer begrünen.

 

Autoarmes Quartier BUWOG DAS LICHTENHAIN. Foto: BUWOGFür Immobilien in Privatbesitz wiederum empfiehlt sie eine stärkere gesetzliche Verankerung von Aspekten der Klimafolgenanpassung. Dazu zählen etwa Maßnahmen zur Hitze-Vorsorge, Stark-Regen-Vorsorge oder die Förderung von Dach- und Fassadenbegrünungen, um eine konsequente und schnelle Verbesserung zu gewährleisten. „Transformationsprozesse werden in der Regel ausgelöst durch Bauanträge und die Schaffung von Bebauungsplänen“, gibt Nurmann zu bedenken. Hingegen gäbe es für die Transformation im Bestand bisher kaum wirksamen Anreize. „Wir benötigen eine starke Anpassung im Bestand: Nachverdichtung, Aufstockung oder Klimafolgenanpassung.“

 

Als Vorbild für eine andere Bodenpolitik nennt die Expertin die Stadt Wien, aber auch die Stadt Ulm in Baden-Württemberg. Dort werden über 40 Prozent der Flächen von der Stadt gehalten, neues Planrecht gibt es nicht, ohne dass der Boden der Stadt gehört. „Spekulationen sind damit ausgehebelt, da die Stadt Ulm erst einmal Inhaber der Grundstücke ist“, erläutert die Stadtplanerin.

Diese Flächen werden dann über Gemeinwohlauflagen der lokalen Wirtschaft angeboten. Eine Maßnahme, die sich als praktischer Vorteil für die Immobilienwirtschaft erweist. Denn wenn Bedarf an Grundstücken besteht, kann die Stadt stets geeignete Flächen der Immobilienwirtschaft zur Verfügung stellen, so die Expertin. Durch eine aktive Ankaufspolitik besorgt sich die Kommune regelmäßig neue Grundstücke und gestaltet so die Stadtplanung aktiv mit.

 

Jetzt ganze Folge 33 zum Thema Bodenwende anhören!

 


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Michael Divé

Über den Autor

Michael Divé

Michael Divé ist Teamleiter Kommunikation und Pressesprecher der BUWOG in Deutschland.

Er leitet die Unternehmenskommunikation und die digitalen Kanäle der BUWOG in Deutschland und moderiert den Podcast GLÜCKLICH WOHNEN. Nach seinem Studium der Medienwirtschaft an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und Toulouse (Frankreich) war er als Journalist und Medienmanager für verschiedene Medien und Unternehmen tätig.