Nachhaltiges Bauen und der ressourcensparende Umgang mit Rohstoffen und Energie, das sind einige der vielleicht wichtigsten Themen der Immobilienbranche. Was kann man tun, um Neubau hierzulande nachhaltiger, ökologischer, effizienter zu gestalten? Mit dieser Frage ging das Development-Team der BUWOG in Berlin auf Tour.
Passivhaus, Holzhaus, Cluster-Wohnungen: BUWOG besucht innovative Neubauprojekte
So wurden im September 2020 zwei Berliner Neubauprojekte besichtigt, die in Sachen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz wegweisend sind und wichtige Impulse geben – beim Thema soziales Wohnen, Passivhaus und Bauen mit Holz. Schließlich hat sich die BUWOG dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtet und verfolgt eine engagierte Nachhaltigkeitsagenda, bei der der ständige Wissenstransfer und Austausch mit anderen Vorreitern auf diesem Gebiet eine wesentliche Rolle spielt.
Soziales Wohnen im Holzhaus
Die erste Station der Exkursion führte in den Norden Berlins, in den Ortsteil Wedding, wo in der Lynarstraße ein Neubauprojekt der besonderen Art besichtigt werden konnte. Auf einem sehr schmalen Baugrundstück – neben der S-Bahn-Trasse der Berliner Ringbahn – wurde 2018 ein Holzhaus fertiggestellt, das durch die Wohnungsbaugenossenschaft am Ostseeplatz eG vermietet und verwaltet wird.
Insgesamt entstanden hier 98 Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten für soziale Nutzung durch die Diakonie und andere sozial orientierte Akteure. In Summe verteilen sich auf sieben Geschossen rund 6.600 m² Wohnfläche. Spannend: Ab dem 1. OG ist bis auf die verbindenden Treppen alles aus Holz – auch der Aufzugschacht.
Bei der Innenraumgestaltung sind die Holzelemente größtenteils verkleidet, einerseits aus Gründen des Lärmschutzes, andererseits um einen allzu rustikalen „Blockhaus-Look“ in den Wohnungen zu vermeiden.
Im Dialog mit den Bauherren, den Architekten und den Bewohnern wurden der Entstehungsprozess reflektiert und technische und konzeptionelle Fragestellungen vertieft. Die Architekten von SWP berichteten, dass die Bauzeit nur ein knappes Jahr betrug, in der insgesamt rund 3.700 Kubikmeter Holz verbaut wurden. Das Holz – vor allem Fichte und Douglasie – stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft aus Deutschland und Österreich.
Cluster-Wohnungen für gemeinschaftliches Wohnen
Heute sind die geförderten Wohnungen hier im Wedding überwiegend mit WG-artigen Konzepten belegt und teilweise an Menschen vergeben worden, die früher obdachlos waren. Immer drei Wohnungen – jeweils mit einem, zwei oder drei Zimmern sowie eigenem Bad und Küche bzw. Kochnische – führen zu einem gemeinsamen Wohn-Ess-Bereich. Das Ergebnis sind sogenannte „Cluster-Wohnungen“.
Spannend: Auch die großen Treppenbereiche (open air angeordnet zwischen den Gebäuden) und die geschützten Höfe an der straßenabgewandten Seite, dienen der Kommunikation der Nachbarschaften. Die Erfahrung der ersten Jahre zeigt: Gerade bei gutem Wetter werden diese gern genutzt und dienen den Kindern im Haus als „nach draußen verlängertes Wohnzimmer“. Ein Konzept, das hier augenscheinlich sehr gut in einer harmonischen Nachbarschaft funktioniert, insbesondere, da es von allen Bewohnerinnen und Bewohnern der Lynarstraße konsequent mitgetragen wird.
Passivhaus mit Wärmerückgewinnung
Noch einen Schritt weiter ging das zweite Projekt der BUWOG-Tour.
Ein paar Straßen entfernt, in der Boyenstraße 34/35 in Berlin-Wedding, entstand 2013 ein Passivhaus der Deimel Oelschläger Architekten, das rund 75 Prozent weniger Heizenergie-Bedarf aufweist als es die Energieeinsparverordnung (EnEV) vorsieht.
Auf acht Geschossen vereinen sich hier 22 Eigentumswohnungen sowie ein Gemeinschaftraum im Erdgeschoss.
Wie aber betreibt man ein Haus, welches fast keine Heizenergie benötigt?
Ein Schlüssel zum Erfolg ist die zusätzliche Dämmung, damit einhergehend weniger Wärmeverlust nach Draußen, solare Gewinne durch die optimale Fenstergröße und deren Anordnung im Süden sowie die Rückführung interner Wärmegewinne. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Baukosten amortisieren sich nach sechs bis acht Jahren aufgrund der niedrigeren Heiz- und Betriebskosten.
Das zentrale Element für die Nutzung der internen Wärmequellen ist eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Dies sorgt dafür, dass die kalte Frischluft von draußen mit einem Wärmetauscher vorgewärmt und dann in die Wohnräume geleitet wird – so geht kaum Energie verloren und es ist mit automatischer Belüftung immer für ein gutes Wohnklima gesorgt.
Ein Leben ohne Heizkörper
Interessant: Damit entfallen auch Heizkörper in den Wohnungen. Nur in den Badezimmern gibt es Heizkörper als beheizte Handtuchhalter. In der Heizperiode wird die wenige benötigte Energie mit einem Blockheizkraftwerk im Keller erzeugt, welches etwa die Größe von drei Waschmaschinen hat. Eine eigens auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage wiederum sorgt für Warmwasser im Gebäude.
Ein entscheidender Faktor für das Gelingen eines solchen Konzeptes: Man muss es wollen – und zusammen an einem Strang ziehen. So waren die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur bei der Planung der Grundrisse beteiligt, sondern sie stehen auch inhaltlich hinter dem Konzept und setzen den Gedanken des Energiesparens gemeinschaftlich um.
Das Gemeinsame wird auch baulich deutlich: Die Terrassen- oder Gartenanteile hinter dem Haus sind nicht etwa durch Zäune abgetrennt, sondern gehen harmonisch bepflanzt optisch ineinander über. Der Höhepunkt aber ist eine große Dachterrasse mit Blick über Berlin, die von allen gemeinsam genutzt werden kann.
Nachhaltiger Neubau in Berlin
Ob Passivhaus, Holzhaus oder soziales Wohnkonzept: Berlin ist bei innovativen Wohn- und Bauweisen führend. „Genossenschaften oder Baugruppen leisten mit zukunftsweisenden Projekten dieser Art einen wichtigen Beitrag mit wirklich sehenswerten Ergebnissen“, freut sich Eva Weiß, Geschäftsführerin der BUWOG Bauträger GmbH.
Was kann die BUWOG hier lernen? Eva Weiß: „Auch wir als BUWOG sind im Bereich Nachhaltigkeit aktiv und schaffen nicht nur Wohnraum, sondern auch begleitende ökologische und soziale Qualitäten. Daher ist es für uns spannend, solche Projekte wie in der Lynarstraße oder der Boyenstraße anzuschauen und in den Dialog mit den Macherinnen und Machern zu kommen. Dabei erfahren wir, welche technischen und konzeptionellen Lösungen dahinterstehen, welche Erfolgsfaktoren es gibt und wo man heute Dinge vielleicht anders angehen würde.“
Klar ist auch: Die BUWOG als größter privater Wohnungsentwickler Berlins denkt in größeren Stückzahlen, so Eva Weiß.
„Was bei einem Mehrfamilienhaus mit 15 oder 20 Wohnungen funktioniert, das müssen wir bei einem BUWOG-Projekt mit vielleicht 300 oder 400 Wohnungen anders denken, weniger in Einzellösungen, sondern in Ansätzen, die wir langfristig weiterentwickeln.“
Ein Beispiel ist die Holz-Hybrid-Bauweise, die die BUWOG erstmals 2018 in Berlin erprobt hat, mit zunächst 50 Wohnungen.
„Die Lerneffekte daraus nutzen wir nun für die Weiterentwicklung: Mit den BUWOG LOTSENHÄUSERN entstehen jetzt weitere 40 Wohnungen, vor allem für Familien“, erklärt Weiß.
Auch im Bereich sozialer Wohnkonzepte ist die BUWOG bereits engagiert. In Berlin-Niederschöneweide realisiert die BUWOG den Neubau eines Wohnquartiers – BUWOG WOHNWERK – mit Miet- und Eigentumswohnungen, Studentenwohnungen sowie einer Sozialstation „Strohhalm“.
Hier wird es Platz für sozialtherapeutische Angeboten der Stiftung SPI geben für zeitweise wohnsitzlose Menschen, die hier eine Anlaufstelle finden. Bereits 2021 ist Fertigstellung.
Ähnliches auch in Hamburg. Im Pergolenviertel, im Stadtteil Winterhude, wird die BUWOG auf ihrem Baufeld bis 2022 insgesamt 92 geförderte und frei finanzierte Mietwohnungen fertigstellen. Besonderheit: Die Nutzung ist zu etwa einem Drittel entsprechend des „ViVo“-Konzepts geplant. Dies beinhaltet einen Mix aus betreutem Wohnen für Senioren, Mehrgenerationenwohnen, Wohngruppen für sozialtherapeutisches Wohnen und verschiedene Angebote für Menschen mit Behinderungen.
Viele konkrete Beispiele, die zeigen: Die Zukunft des Neubaus ist sozial und ökologisch nachhaltig – und definitiv vielseitig.
Service
⯈ Nachhaltig: Mehr zum Quartier 52° Nord auf der Webseite www.52grad-nord.de
⯈ Mehr erfahren zu den Familienwohnungen in den BUWOG LOTSENHÄUSERN
Nachhaltige Agenda
„Was bei einem Mehrfamilienhaus mit 15 oder 20 Wohnungen funktioniert, das müssen wir bei einem BUWOG-Projekt mit vielleicht 300 oder 400 Wohnungen anders denken.“
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