DGNB-Gold für nachhaltige Schwammstadt
Nachhaltige Schwammstadt: Das BUWOG-Quartier 52° Nord in Berlin hat das DGNB-Zertifikat in Gold erhalten. Foto: BUWOG
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DGNB-Gold für nachhaltige Schwammstadt

Das Quartier 52° Nord in Berlin wird mit dem DGNB-Zertifikat in Gold ausgezeichnet, eine der höchsten Auszeichnungen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Damit wird eine nachhaltige Schwammstadt prämiert, die die BUWOG seit über 10 Jahre realisiert.

 

Für das Präsidium der DGNB überreichte Senior Auditor Thomas Kraubitz das Zertifikat an Eva Weiß, Daniel Riedl und Projektleiterin Juliane Holtmeyer. Foto: BUWOG
Für das Präsidium der DGNB überreichte Senior Auditor Thomas Kraubitz das Zertifikat an Eva Weiß, Daniel Riedl und Projektleiterin Juliane Holtmeyer. Foto: BUWOG

Das Quartier 52° Nord in Berlin bekommt das DGNB-Quartierszertifikat in Gold, Ergebnis einer umfassenden Prüfung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

 

Die Bewertung kombiniert die Prüfung zu jeweils gleichen Teilen in den Dimensionen ökologische und ökonomische Qualität sowie technische, soziokulturelle und funktionale Qualität und Prozessqualität.

Das Buro Happold verantwortete die Quartierszertifizierung. Es ist ein wichtiger Meilenstein bei der Realisierung des Quartiers, auf einem Areal das Geschichte hat.

 

Das Quartier 52° Nord liegt in Berlin Grünau, einem Ortsteil des Bezirks Treptow-Köpenick, im Südosten von Berlin. Wo heute rund 3.000 Menschen wohnen, da prägten einst Fabriken und Werkshallen das Bild. BUWOG-Geschäftsführerin Eva Weiß: „Dieses rund 10 Hektar große Areal zwischen Regattastraße und Dahme-Fluss wurde rund 150 Jahre lang industriell genutzt, bis die BUWOG hier eine anspruchsvolle Brownfield-Entwicklung realisierte, die mittlerweile mit dem Brownfield-Award ausgezeichnet wurde.“

 

Schwammstadt-Quartier mit zenttrales Wasserfläche im Sommer 2024. Foto: BUWOG
Schwammstadt-Quartier mit zentraler Wasserfläche. Luftbild: BUWOG

Die Kurzfassung der Geschichte beginnt 1848: Nach der bürgerlichen Revolution waren kostbare Farben wie Rot oder Blau nicht mehr nur der Mode des Adels vorbehalten, sondern wurden auch bei den normalen Bürgern beliebt. Die Mode und neue Herstellungsverfahren ließen die Produktion von Farben für Stoffe und Leder florieren. Als Standorte für zunächst kleine, später größere Fabriken waren die Fluss-Ufer beliebt. So konnte man auf dem Wasserweg die Rohstoffe per Schiff anliefern und Abfälle und Abwässer kurzerhand im Fluss entsorgen. Aus heutiger Sicht undenkbar.

 

Früher umzäuntes Werksgelände einer VEB: Das Grundstück an der Regattastraße, um 1990. Foto: Archivmaterial
Dahmeufer mit markiertem VEB-Gelände um 1990. Foto: Archiv

Im 20. Jahrhundert boomte an den Flussufern die Produktion und Verarbeitung pharmazeutischer Produkte. Ab den 1960er Jahren produzierte hier ein Volkseigener Betrieb der DDR: Die VEB Berlin-Chemie stellte hier Vorprodukte für die „Pille des Ostens“ her. 1990, nach dem Fall der Mauer, wurde der Betrieb der VEB an dem Standort eingestellt. Zurück blieb ein rund 10 Hektar großes, teilweise belastetes Grundstück, das 2012 durch das Immobilienunternehmen BUWOG übernommen wurde. Rund 200.000 Tonnen Erde wurden ausgetauscht, bis dann 2015 der Grundstein gelegt werden konnte für ein neues Wohnquartier.

 

Eva Weiß: „Nun, nach über 10 Jahren ist eine moderne Schwammstadt entstanden, die nachhaltig, lebenswert und vielseitig ist. In rund 25 Bauabschnitte wurden gut 1.000 Wohnungen errichtet, mit Wohnraum für rund 3.000 Menschen.“ Die einzelnen Abschnitte tragen maritime Namen, die mit der Wasserlage des Quartiers spielen: „Brückenhäuser“, „Kompasshäuser“, „Kapitänshäuser“, Lotsenhäuser“ und andere mehr. Außerdem entstand eine Kita, mehrere Spielplätze, eine Energiezentrale, der große Quartiersplatz mit Café, wohnbegleitendes stilles Gewerbe in dafür passenden Erdgeschossbereichen entlang der Regattastraße. Und Grün, wohin das Auge blickt. Eine rund 600 Meter lange Uferpromenade wurde realisiert, die heute das Dahme-Ufer zugänglich macht, wo früher einmal Zäune und Stacheldraht das damalige Fabrikgelände absperrten.

 

Unteres Wasserbecken zur Regenwasserretentin mit Pumpenan
Unteres Wasserbecken zur Regenwasserretention mit Brücke

Nachhaltigkeit wird hier heute großgeschrieben. Optisches und ökologisches Herzstück des Quartiers ist das zentrale Wasserbecken mit seiner rund 6.000 Quadratmeter großen Fläche. Das Becken besteht aus drei Teilbecken mit unterschiedlichen Wassertiefen von 30 bis 140 Zentimetern. Je nach Wasserstand werden hier etwa 7 Millionen Liter Wasser gespeichert – Regenwasser! Eva Weiß: „Hier wird das Niederschlagswasser der Dächer der umliegenden Gebäude eingeleitet. Durch die seitliche Uferbepflanzung am Beckenrand auf der Gesamtlänge von rund 180 Metern wird das Wasser auf biologische Weise gereinigt.“ Über den kontrollierten Überlauf des Oberbeckens gelangt dann das Wasser in das mittlere Becken und danach in den in einer Brücke versteckten Substratfilter. Hier werden Sand und Schwebstoffe aus dem Wasser gefiltert und das Wasser zurück ins Oberbecken gepumpt.

 

Das Konzept wurde zusammen mit der TU Berlin entwickelt. Durch diese Kombination aus biologischer Reinigung und Filterung verfügt das Wasser fast ganzjährig über Trinkwasserqualität und dient als gesunder Lebensraum für Fische, Amphibien oder Wasservögel.

 

Rund 1.000 Wohnungen, Uferweg, Wasserbecken, Quartiersplatz, Kita und eien Energiezentrale gehören heute zum Quartier 52° Nord. Foto: BUWOG
Rund 1.000 Wohnungen, Uferweg, Wasserbecken, Quartiersplatz, Kita und eien Energiezentrale gehören heute zum Quartier 52° Nord. Foto: BUWOG

„Mit dem Quartier 52° Nord wird der abstrakte Begriff der Schwammstadt erlebbar und sichtbar gemacht“, unterstreicht Daniel Riedl, als Vorstandsmitglied von Vonovia unter anderem zuständig für das BUWOG-Development. Bei der Grundsteinlegung für das Quartier vor 2015 war er schon dabei, damals auf einer kargen Sandfläche, die nicht erahnen ließ, dass hier ein mehrfach prämiertes Quartier entstehen würde. Daniel Riedl: „Es brauchte damals viel Fantasie der BUWOG, unserer Projektteams und auch der ersten Erwerberinnen um Erwerber, um das volle Potential dieser Brownfield-Entwicklung zu sehen. Die frühere Industriebrache ist heute ein lebenswerter Ort für Mensch und Natur, mit architektonischer Vielfalt und vielen Qualitäten ökologischer und sozialer Art. Wir freuen uns nun über die Auszeichnung mit dem DGNB-Zertifikat in Gold und nehmen dies als Ansporn für weitere Projekte der BUWOG in Deutschland und Österreich, bei denen wir jeweils ortsangepasste nachhaltige Qualitäten realisieren.“

 

2026 wird die BUWOG ihren 75. Geburtstag feiern. Passend dazu ist der finale Abschnitt im 52° Nord in Bau: BUWOG DAHMEGLANZ, ein Ensemble mit 52 neuen Wohnungen, alle mit Balkon oder Terrasse und Blick auf den Fluss.

 


„Mit dem Quartier 52° Nord wird der abstrakte Begriff der Schwammstadt erlebbar.“

Daniel Riedl Vorstand Vonovia - Porträt. Foto_BUWOG

 


Projektfilm Quartier 52° Nord

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Michael Divé

Über den Autor

Michael Divé

Michael Divé ist Teamleiter Kommunikation und Pressesprecher der BUWOG in Deutschland.

Er leitet die Unternehmenskommunikation und die digitalen Kanäle der BUWOG in Deutschland und moderiert den Podcast GLÜCKLICH WOHNEN. Nach seinem Studium der Medienwirtschaft an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und Toulouse (Frankreich) war er als Journalist und Medienmanager für verschiedene Medien und Unternehmen tätig.