In dieser Podcast-Folge sprechen wir über Building Information Modeling, kurz BIM. Was genau steckt hinter BIM, welche Vorteile bietet diese Arbeitsmethode für die Baubranche? Ein Expertengespräch mit Johanna Lippitz und Michael Hallinger über Potenziale und Herausforderungen der BIM-Implementierung.
Zu Gast sind Johanna Lippitz, Leiterin des Fachbereichs für BIM und Digitalisierung bei der IKK Group, einem Gesamtlösungsanbieter für Planung, Beratung und Baumanagement im Hoch- und Tiefbau in Österreich, sowie Michael Hallinger, Senior BIM Expert bei der BUWOG Group in Wien. Beide sind BIM-Experten und kennen sowohl die Theorie als auch die Praxis.
BIM ist eine digitale Arbeitsmethode, die den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks begleitet – von der Planung über die Errichtung bis hin zum Betrieb. Im Zentrum steht ein digitales 3D-Modell, das nicht nur die geometrischen Eigenschaften eines Bauwerks abbildet, sondern auch zahlreiche weitere Informationen wie Materialeigenschaften, Kosten oder Zeitpläne integriert. Dadurch entsteht eine datenbasierte Planungsgrundlage, die eine bessere Zusammenarbeit zwischen allen Projektbeteiligten ermöglicht, so die beiden Experten. Fehler können frühzeitig erkannt und Abläufe optimiert werden. Vor allem bei großen und komplexen Bauprojekten gewinnt BIM zunehmend an Bedeutung, da es für mehr Transparenz und Effizienz sorgt. BIM ist jedoch kein Computerprogramm, sondern eine Methode. „Gute Software ist wichtig, aber mindestens genauso entscheidend ist der Faktor Mensch“, so Johanna Lippitz.
Erfolgsfaktoren für die Nutzung von BIM
Der Einsatz von BIM verändert die Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Bauplanung und Bauausführung grundlegend. BIM beeinflusst die Rollen von Architekten, Ingenieuren und Bauunternehmen und erfordert eine neue Arbeitsweise. Die Implementierung der BIM-Methodik erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine klare Strategie und präzise Zieldefinitionen. Standardisierte Prozesse und einheitliche Datenformate sind notwendig, um einen reibungslosen Informationsaustausch zu gewährleisten. Michael Hallinger betont: „Die BIM-Methode ist ein neuer Weg, Projekte zu bestreiten.“ Das bedeutet, dass nicht nur neue Technologien zum Einsatz kommen, sondern sich auch die Arbeitsabläufe und die Zusammenarbeit der Beteiligten grundlegend ändern müssen. Ein Umdenken sei daher unerlässlich, so Hallinger.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Umsetzung von BIM ist die enge Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten. Ebenso wichtig ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig einzubinden und ihre Akzeptanz für die neue Methode zu fördern. Johanna Lippitz erklärt, dass Ängste im Umgang mit BIM durchaus normal sind. Dieser Aspekt müsse jedoch aktiv adressiert werden. Klare Zielsetzungen, ehrliche Kommunikation und abgestimmte Prozesse sind entscheidend für den Erfolg von BIM-Projekten und müssen konsequent umgesetzt werden, fügt sie hinzu.
Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist der Umgang mit den Daten, die im BIM-Prozess eine zentrale Rolle spielen. Es ist entscheidend, dass die Daten beim Auftraggeber liegen, um jederzeitigen Zugriff auf Informationen zu gewährleisten und die Übergabe von Dokumenten nach Fertigstellung des Baus zu vereinfachen. Diese Daten werden künftig nicht nur für die Optimierung von Planungs- und Bauprozessen entscheidend sein, sondern auch für die Erfüllung von Nachhaltigkeitsvorgaben und -strategien. Obwohl BIM primär auf Digitalisierung abzielt, werden gedruckte Pläne auf den Baustellen nicht sofort verschwinden. Das ist aber kein Problem: Durch einen Barcode auf den ausgedruckten Plänen kann beispielsweise jederzeit überprüft werden, ob der vorliegende Plan aktuell ist, erklärt Johanna Lippitz pragmatisch.
Kosten, Transparenz und ein internationaler Blick
Potenzielle Kosteneinsparungen durch BIM lassen sich nur schwer pauschal beziffern. BIM-Experte Michael Hallinger von der BUWOG stellt klar, dass es nicht valide wäre, einen Prozentsatz der Baukosten zu nennen, der durch BIM eingespart werden kann. Der Hauptgrund: Kein Gebäude wird unter Laborbedingungen gebaut. Ein tatsächlicher Vergleich könnte nur angestellt werden, wenn ein Gebäude einmal mit und einmal ohne BIM gebaut würde. Ein wichtiger Aspekt ist der Detaillierungsgrad der Baupläne: Bei herkömmlichen Bauanträgen waren die Pläne bei der Einreichung oft weniger detailliert. Im Gegensatz dazu ermöglicht das abgestimmte 3D-Modell in BIM-Projekten bereits zu diesem Zeitpunkt eine wesentlich höhere Präzision und Detailgenauigkeit. „In unseren Projekten bei der BUWOG haben wir nahezu Ausführungsstand im Vergleich zu herkömmlichen Projekten“, erklärt Hallinger. Die veränderte Arbeitsweise durch die BIM-Methode schafft klare Prozesse für alle Baubeteiligten. „Das führt zu Transparenz, und Transparenz führt zu Vertrauen“, so Johanna Lippitz.
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