Holz ist ein nachwachsender und gesunder Baustoff, der für das Erreichen der Klimaziele eine zentrale Bedeutung hat. Auch für die BUWOG: Deshalb werden wir mindestens 20 % unserer Development Pipeline mit Holz bauen. Wie kann mehr Holzbau gelingen und welche Rolle spielt das einfache Bauen für mehr Wohnraum? Interview mit Sun Jensch, Geschäftsführerin der KOALITION für HOLZBAU.
Um neuen, günstigen Wohnraum zu schaffen gilt derzeit der Gebäudetyp E als wichtiges Konzept. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie?
Sun Jensch: „Einfach, energieeffizient und erschwinglich – dafür soll der Gebäudetyp E stehen, zumindest in der Theorie. Die praktische Umsetzung birgt noch einiges an Herausforderungen, mehr als den Vätern und Müttern dieses neuen Typs vielleicht lieb ist. Die Idee, Baukosten zu senken, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist sinnvoll. Allerdings zeigt sich, dass einfache Bauweisen in Deutschland oft mit rechtlichen Unsicherheiten verbunden sind. Besonders problematisch sind die sogenannten „anerkannten Regeln der Technik“: Wer sie nicht einhält, haftet im Zweifelsfall. Das betrifft Bauherren und Unternehmen und wirkt da abschreckend. Ohne eine rechtssichere Umsetzung bleibt der Gebäudetyp E deshalb ein schwieriges Konzept. Dabei sollte man nicht außer Acht lassen, dass wir ja bereits erfolgreiche Modelle in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern sehen, die als Blaupause für eine breitere Umsetzung dienen können.“
Wie kann Holzbau helfen, diese Herausforderungen zu lösen?
Sun Jensch: „Holzbau ist nachhaltig, effizient und vor allem schnell. Gerade der serielle, modulare Holzbau ermöglicht eine deutlich verkürzte Bauzeit und senkt den CO2-Wert in der Bauphase. Während die Diskussion über den Gebäudetyp E oft um Baukosten und regulatorische Fragen kreist, dürfen wir die Energieeffizienz nicht aus den Augen verlieren. Die Zukunft des Bauens liegt in einer Kombination aus ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Machbarkeit – und hier spielt Holz als nachwachsender Rohstoff eine zentrale Rolle.“
Welche Weichenstellungen sind außerdem notwendig, um den Holzbau zu stärken?
Sun Jensch: „Der Holzbau braucht klare und vergleichbare Rahmenbedingungen. Die KOALITION für HOLZBAU setzt sich deshalb auch für eine Weiterentwicklung der Musterholzbaurichtlinie ein, um baurechtliche Hürden zu reduzieren. Zudem müssen Zulassungsverfahren für Bauprodukte verschlankt werden, um den Holzbau nicht im Vergleich zu anderen Bauprodukten zu benachteiligen. Eine weitere Chance ist das Vergaberecht: Öffentliche Auftraggeber sollten es leichter haben, nachhaltige Projekte z.B. mit Holz umzusetzen. Eine konsequente Förderung von CO2-sparenden Bauweisen könnte ebenfalls ein Gamechanger sein. Und nicht zuletzt braucht es einen Gebäude-Lebenszyklus-Ansatz, der von der Planung bis zum Rückbau nachhaltige Standards setzt.“
Wie bringt sich die KOALITION für HOLZBAU hier ein?
Sun Jensch: „Die KOALITION für HOLZBAU ist eine Initiative, die Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenbringt, um die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den Holzbau zu verbessern. Wir klären auf, zeigen Lösungen auf und informieren. Im Oktober 2024 haben wir deshalb auch die HOLZBAU AKADEMIE gegründet, um Wissen über nachhaltige Bauweisen weiterzugeben und Fachkräfte gezielt zu schulen. Dabei geht es nicht nur um Theorie, sondern um ganz praktische Fragen: Wie lässt sich Holz effizient in Bauprojekte integrieren? Was gibt das Vergaberecht zum nachhaltigen Bauen her? Aber auch Wissen rund um Brandschutz, Tragwerksplanung und Schallschutz werden vermittelt.“
Auch die BUWOG engagiert sich für nachhaltiges Bauen mit Holz. Welche Rolle spielt der Dialog in der Branche?
Sun Jensch: „Ja, das ist wichtig, dass viele Akteure hier mitziehen. Die BUWOG-Geschäftsführerin Eva Weiß ist auch als Ambassadeurin in der KOALITION für HOLZBAU aktiv. Die fundierte Praxiserfahrung der Unternehmen spielt eine Schlüsselrolle, weil sie den Wandel vorantreiben. Sie sind diejenigen, die neue Bauweisen erproben, innovative Konzepte umsetzen und den Markt mitgestalten. Für eine Transformation im Bauwesen brauchen wir beides, also politische Weichenstellungen und engagierte Marktteilnehmer, die diese Möglichkeiten nutzen und weiterentwickeln.“
Was sind Ihre nächsten Schritte, um den Holzbau weiter voranzubringen?
Sun Jensch: „Ich finde wir müssen den Holzbau noch stärker als Standard etablieren. Dazu gehört die kontinuierliche Arbeit an politischen Rahmenbedingungen, aber auch die Aufklärung in der Branche. Wir setzen uns dafür ein, dass Holzbau nicht nur als Nischenlösung betrachtet wird, sondern als wirtschaftliche und nachhaltige Alternative zum konventionellen Bauen. Gleichzeitig müssen wir die Akzeptanz auf kommunaler Ebene stärken, denn hier werden viele zentrale Entscheidungen getroffen. Nur wenn wir alle Akteure – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – ins Boot holen, kann der Holzbau sein volles Potenzial entfalten.“
Das könnte Sie auch interessieren:
- Seminare und Praxiswissen rund um Holzbau: Zur HOLZBAU AKADEMIE
- Podcast: Gebäudetyp E: Chancen für experimentelles Bauen
- Quartier aus Holz: Baufortschritt für BUWOG HYGGE HÖFE